Unser Experten-Tipp

Schimmelgefahr nach Einbau neuer Fenster

Die energetische Sanierung des Gebäudebestandes in Deutschland ist Teil der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende. Fassadendämmung und Einbau neuer Fenster gehören zu den Maßnahmen, die besonders gefördert werden. Dass nach Durchführung solcher Maßnahmen bei Altbauten wegen der veränderten Lüftung des Gebäudes häufig auch Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel auftauchen, ist mittlerweile bekannt.

Vor den Gerichten werden regelmäßig Rechtsstreite wegen Mietminderungen geführt, die mit Schimmel oder Feuchtigkeit in der Wohnung begründet werden. Ein Mittel, diesem Problem vorzubeugen, ist eine regelmäßige Stoßlüftung oder ein Abrücken der Möbel von der Wand. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es eine Pflicht des Vermieters gibt, dem Mieter nach erfolgter Modernisierung (Fenstereinbau) solche Verhaltensmaßregeln von sich aus mitzuteilen.

Das LG Gießen (1 S 199/13) hatte sich mit einem solchen Fall zu befassen. Ein Mieter hatte Mietminderung wegen Feuchtigkeitsschäden geltend gemacht. Die  offenen Beträge hatte der Vermieter eingeklagt und beim Amtsgericht Recht bekommen. Das Landgericht Gießen sah dies allerdings anders. Es sei grundsätzlich Sache des Vermieters, beim Einbau neuer, dicht schließender Fenster die notwendigen Vorkehrungen gegen Feuchtigkeit zu treffen. Dies könne beispielsweise in Form des Einbaus einer Lüftungsanlage geschehen. Ebenso könne der Vermieter dem Mieter Hinweise auf ein notwendiges, gestaltetes Heizungs- und Lüftungsverhalten erteilen. Tue er dies nicht, müsse der Mieter in der Regel nicht mehr als zweimal pro Tag für jeweils zehn Minuten stoß- oder querlüften. Bilde sich dann trotzdem Feuchtigkeit oder Schimmel, so sei dies vom Mieter nicht zu verantworten. Eine Mietminderung sei deshalb möglich.

Das Urteil ist kein Überraschungsurteil. Die Rechtsprechung geht davon aus, dass der Vermieter dem Mieter in solchen Fällen auf ein verändertes Lüftungsverhalten hinweisen muss. Eigentümer und Verwalter, die derartige Modernisierungen planen, sollten diese Hinweispflicht also in ihre Checkliste aufnehmen.

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